Foto: Eine syrische Mutter mit ihren zwei Kindern in ihrer Unterkunft im Irak

Syrienkonflikt: Einsatz in den Nachbarländern

Am 11.03.2019 von John Engedal Nissen

Foto: Collage aus Potrait einer Flüchtlingafamilie in ihrem Zuhause und Bild einer Helferin

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Rogin Zuber im Irak ist eine von rund 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrern, die kriegsbedingt in Syriens Nachbarländer geflohen sind und nun unter häufig einfachsten Umständen überleben. Petra im Libanon hingegen hilft mit ihrem freiwilligem Engagement Menschen. Beide profitieren vom MADAD-Programm, mit dem sich 15 Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften – darunter das DRK – dafür einsetzen, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge und bedürftigen Gastgemeinden zu verbessern. Auch die medizinische Hilfe gehört dazu. Ein Erfahrungsbericht von Rogin und Petra.

Ein sicheres Gefühl dank Rettungswagen in der Nähe

Foto: Eine syrische Mutter mit ihren zwei Kindern in ihrer Unterkunft im Irak
Rogin mit ihren Kindern Mohammed (10) und Aya (6).

Als die schweren Bauchschmerzen, der Schwindel und das Erbrechen immer schlimmer wurden, befürchtete Rogin Zuber das Schlimmste. „Ich hatte mehr Angst um meine Kinder als um mein eigenes Leben. Sie sind so klein. Was sollten sie tun, wenn ich nicht mehr da bin?“, erinnert sich die 33-Jährige. Rogin und ihre Familie sind 2013 aus dem syrischen Qamishli in den Irak geflohen. Heute leben sie im Kawergosk-Flüchtlingslager außerhalb von Erbil.

Rogin konnte vor Schmerzen kaum laufen, als sie sich nach ein paar Tagen des Leidens schließlich entschied, den nahe gelegenen Rettungswagen zu rufen. Das Team aus freiwilligen Helfern des Irakischen Roten Halbmonds ist schnell gekommen, sie haben Rogins Blutdruck überprüft und ihre Patientin in das nahe gelegene Gesundheitszentrum gebracht, später dann in ein größeres Krankenhaus in Erbil. Dabei stand das Team Rogin auch seelisch bei: „Im Krankenwagen war eine sehr nette junge Frau. Sie redete mit mir und beruhigte mich. Das war sehr nett“, erinnert sich die dreifache Mutter.

Gesundheitsförderung, Hygienesets und Ausrüstung

Im Krankenhaus wurde Rogin wegen einer Blinddarmentzündung behandelt und operiert. Heute fühlt sie sich sicherer, weil sie weiß, dass es in ihrem Flüchtlingslager ein Rettungsteam gibt. „Das ist ein guter Service. Wenn wir anrufen, werden sie hier sein. Und wir wissen, dass sie ihr Möglichstes tun, um zu helfen.“

Neben dem Transport durch den Rettungsdienst hat Rogin von den Freiwilligen des Irakischen Roten Halbmonds ein Hygieneset erhalten und wurde rund um das Thema Gesundheit beraten – Hilfe, die die Gesundheit der Geflüchteten fördern soll und zu dem EU-finanzierten MADAD-Programm gehört. Das Programm umfasst darüber hinaus zum Beispiel auch Hygieneförderung, die Verteilung von Erste-Hilfe-Sets oder die Beschaffung von Ausrüstung für die Rettungsteams.

„Die Rettungsstation ist für mich wie eine zweite Familie“

Viele hundert Kilometer weiter nimmt auch Petra am MADAD-Programm teil – nicht als Patientin, sondern als Freiwillige des Libanesischen Roten Kreuzes. Wenn die Sonne über den Bergen Libanons untergeht, beginnt für sie und eine kleine Gruppe weiterer Freiwilliger die Arbeit: Sie übernehmen die Nachtschicht in einer Rettungsstation. Von der Station aus starten Ambulanzfahrzeuge zu Notfällen und auch eine kleine Erste-Hilfe-Klinik ist dort angegliedert.

Mehr Menschen brauchen medizinische Hilfe

Foto: Portrait einer libanesischen Rotkreuzfreiwilligen
„Jeder Notfall hat sein eigenes Geheimnis. Manche Einsätze sind ein ganz normaler Transport, andere Notfälle sind schwieriger für mich“, sagt Petra über ihre Aufgabe.

Ein Teil der Schulungen in der Ambulanzstation wird vom MADAD-Programm gefördert. Es ist wichtig, dass die Arbeit reibungslos läuft, denn im Libanon steht das Rettungssystem unter großem Druck. Mit 1,5 Millionen Flüchtlingen bietet der Libanon im Verhältnis zu seiner Bevölkerung (rund 4 Mio. Menschen) überproportional vielen Schutzsuchenden Zuflucht. All diese Menschen brauchen eine gesundheitliche Versorgung. Auch Petra hat die Erfahrung gemacht, dass viele syrische Flüchtlinge und Einheimische in die Erste-Hilfe-Klinik der Station kommen, um sich erstversorgen oder eine Verbrennung behandeln zu lassen.

Wie eine zweite Familie

All die Helfer, die hier die Nachtschichten übernehmen, arbeiten unentgeltlich.  Auch Petra, die sich seit neun Jahren beim Roten Kreuz engagiert und heute Rettungswagenfahrerin ist – ein Job, der eine gute Stressbewältigung und Konzentration erfordert. Ihr Engagement ist fester Bestandteil ihres Lebens geworden: „Ich mag es, weil ich Menschen helfe. Und ich habe viele Freunde in der Station. Es ist wie meine zweite Familie.“

» Erfahren Sie mehr über das MADAD-Programm.

Text von Rikke Østergård und John Engedal Nissen
Fotos: Rikke Østergård/Dänisches Rotes Kreuz, John Engedal Nissen/Dänisches Rotes Kreuz

 

Geschrieben von:

John Engedal Nissen
Der gelernte Journalist ist beim Dänischen Roten Kreuz für die Kommunikation verantwortlich. Im Rahmen des MADAD-Projekts, das von der Europäischen Union finanziert wird, bereist er die vom Syrienkonflikt betroffenen Nachbarländer, um dort syrische Flüchtlinge zu porträtieren, die vom gleichnamigen Fonds profitieren.

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