Foto: zwei Frauen und ein Mädchen unter einem provisorischen Unterstand

Togo: von umgekippten Jeeps und einer brummenden Maniokreibe

Am 27.10.2016 von Andrea Kehrwald

Foto-Collage: ein Feep im Schlamm und Frauen unter einerm provisorischen Unterstand

Ende September hatte ich meinen ersten Nothilfe-Einsatz im Rahmen unseres DRK-Klimaprojektes hier in Togo. Dieses Projekt, das seit 2013 über einen Zeitraum von sechs Jahren läuft, soll die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Gemeinden entlang der Wasserläufe Togos reduzieren und Maßnahmen zum nachhaltigen Ressourcenmanagement einführen. Das geschieht hauptsächlich durch ein erweitertes und verbessertes Frühwarnsystem entlang der Wasserläufe, auf dessen Basis das Togolesische Rote Kreuz und die potentiell Betroffenen rechtzeitige Vorkehrungen zur Schadensminderung treffen können.

Klima-Projekt stärkt die Widerstandsfähigkeit der Menschen

Parallel dazu soll die „Katastrophenanfälligkeit“ der Gemeinden durch klimasensitives Ressourcenmanagement – wie z.B. Pflanzung von Bäumen, Anlage von Terrassen zum Erosionsschutz, Einsatz von holzsparenden Lehm-Herden etc. – sowie verbesserte Kenntnisse in flutresistenter Dorfentwicklung, Gesundheit und Hygiene reduziert werden. Dazu müssen vor allem auch die Kapazitäten des Togolesischen Roten Kreuzes verbessert werden, um staatliche Einrichtungen und die Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel und Reduzierung der Schäden durch Überschwemmungen zu unterstützen und sich mit relevanten Akteuren auszutauschen.

Nach Regenflut: Planen, Eimer und Matten für Betroffene

Foto: DRK-Mitarbeiterin verteilt Hilfsgüter an eine togolesische Frau
Nach der Überschwemmung hat das DRK Hilfsgüter verteilt.

Nach langen und sehr heftigen Regenfällen ist nun der Ernstfall eingetreten. Vier der Dörfer  wurden in Folge des Hochwassers in den naheliegenden Flüssen teilweise bis Hüfthöhe überflutet, viele Lehmhütten zerstört, die Ernte auf den überschwemmten Feldern zum Teil vernichtet. Die Familien mussten daher ihre Häuser verlassen und haben sich rechts und links auf einer etwas höher gelegenen Straße provisorisch häuslich eingerichtet, mit dem Wenigen, das sie haben. Das Rote Kreuz hat dann an jede Familie Plastikplanen für das Dach, Schlafmatten, Moskitonetze, Eimer zum Wasserholen und Waschen, Aqua-Tabs für die Aufbereitung des Fluss-Wassers und Seife verteilt. Und dann kam auch eines unserer Projektfahrzeuge im Rahmen der Aktion in eine heikle Situation…

Neben dem Einsatz im DRK-Projekt zur Anpassung an den Klimawandel ging aber auch die Arbeit  im unserem Ernährungssicherungs-Projekt zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Produktion von Frauen in die nächste Runde.

Maniokmehl als zusätzliche Einnahmequelle für die Frauen

Nachdem die Frauen unserer Mütterclubs des Togolesischen Roten Kreuzes zunächst in sogenannten Feldschulen neue angepasste Techniken des Maisanbaus gelernt und auf ihren eigenen Feldern selbst angewandt haben, kümmern wir uns nun um zusätzliche Einkommen schaffenden Maßnahmen. Konkret sind das praktische Hilfen, damit die Frauen zusätzlich Geld verdienen können.

Foto: eine togolesiches Frau zeigt eine manuelle Maniokreibe.
So haben die Frauen bisher mühsam Maniok gerieben.

Bei den ersten Aktivitäten handelt es sich um eine motorbetriebene Maniokreibe und eine Presse, um Maniokmehl herzustellen – sogenanntes Gari, das neben Mais und Yams als Grundnahrungsmittel gilt.

Bisher reiben die Frauen die Maniokwurzeln mit der Hand, was sehr, sehr anstrengend und zeitaufwändig ist. Dadurch schaffen die Frauen nur geringe Mengen, die kaum für den Eigenbedarf, geschweige denn zum Verkauf reichen. Mit der motorbetriebenen Reibe können die Frauen ihre Produktion und damit ihr Einkommen mindestens verdoppeln. Dem entsprechend war die Freude bei den Frauen des Mütterclubs groß, als ihnen die Geräte übergeben wurden.

Gruppeneigentum: Wer ist verantwortlich für die Maniokreibe?

Aber genau hier beginnen die Schwierigkeiten: Wer kümmert sich um die Aufbewahrung, Wartung und Nutzung der Maschine? Was geschieht mit den Einnahmen? Wer verwaltet diese, und wer bestimmt darüber, wie sie aufgeteilt oder verwendet werden? Was geschieht, wenn die Maschine kaputt geht? Wie kann das Projekt nachhaltig gestaltet werden, damit die Aktivität auch nach Projektende weitergeht und von den Frauen selbst gut verwaltet wird? Aus diesem Grund gingen der feierlichen Übergabe ernsthafte Diskussionen und eine Schulung der Mütter voraus, sodass alle verstehen, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss, und dass sich solch ein Unternehmen nicht von selbst verwaltet.

Foto: Eine Gruppe togolesischer Menschen um eine benzinbetriebene Maniokreibe.
Große Freude: Die neue Maniokreibe wird vielen Frauen die Arbeit erleichtern.

Wir haben gemeinsam versucht, genauer zu kalkulieren: Was sind die erwarteten Einnahmen, basierend auf der geschätzten Menge, die die Frauen produzieren können? Wie hoch werden schätzungsweise die Kosten sein, z.B. für Treibstoff, Motoröl, Ersatzteile bis hin zu einer Rücklage, die es erlaubt, die Maschine nach vier Jahren Laufzeit bei Bedarf durch eine neue zu ersetzen? Danach wurde ein „Comité de Gestion“, ein Verwaltungskomitee, bestehend aus einer Präsidentin, einer Sekretärin, einer Schatzmeisterin und zwei Beisitzerinnen gewählt.

Das erste Brummen der Reibe ist wie Musik in den Ohren

Foto: Eine togolesische Mutter wirft den Motor einer Maniokreibe an.
Der Auftakt: Eine Mutter nimmt die neue Reibe feierlich in Betrieb.

Und natürlich habe ich Wert darauf gelegt, dass eine der Frauen selbst  zum ersten Mal den Motor der Reibe startet (und nicht die Männer, die schon eifrig drum herumstanden), obwohl ich selbst ein bisschen Angst davor hatte, dass es nicht klappt. Denn wir Frauen trauen uns ja oft nichts Technisches zu – jedenfalls ich  😉 – aber es hat funktioniert und das Brummen der Maniokreibe war für alle wie Musik in den Ohren.

Dementsprechend wurde vor Begeisterung auch wieder viel gesungen und getanzt – immer wieder Lieder über das Rote Kreuz und den Gründer Henri Dunant in der Landessprache – das klingt dann etwa so: Akpé akpé, Henri Dunant – Vielen Dank, Henri Dunant!

Foto: Tanzende Männer und Frauen in Togo.
Ihre Freude über die neue Hilfe drücken die Frauen und Männer mit Tanz und Gesang aus.

» Erfahren Sie mehr über das DRK-Projekt zur Ernährungssicherung in Togo.

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Fotos: DRK, Andrea Kehrwald/ DRK

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Foto: DRK-Mitarbeiterin mit Basecap Andrea Kehrwald

DRK-Mitarbeiterin Andrea Kehrwald erlebt in ihrem Einsatz in Maritime in Togo so einiges. Ob in der Katastrophenvorsorge oder Ernährungssicherung – für das DRK arbeitet sie gemeinsam mit den Menschen in der Region für ein besseres Leben.

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