Foto: DRK-Mitarbeiterin im Gespräch mit einer togolesichen Projekt-Teilnehmerin

Togo: Warten auf den Regen

Am 10.05.2016 von Andrea Kehrwald

Foto: DRK-Mitarbeiterin im Gespräch mit eiener togolesichen Projektteilnehmerin

„Jetzt warten wir auf die Regenzeit.“ In Togo begleitet unsere Delegierte Andrea Kehrwald ein DRK-Projekt, das Frauen und ihren Familien hilft, ihre landwirtschaftlichen Erträge zu verbessern und so ihr Einkommen zu sichern. Für ein paar Tage lässt sie uns an ihrer Arbeit und ihren Eindrücken teilhaben.

Nach der Ausbildung folgt die Regenzeit

22. April 2016
Es ist fast 22 Uhr und noch 30 Grad – gefühlte 36 Grad laut Wetter-App – und 74 Prozent Luftfeuchtigkeit. Alle warten auf die Regenzeit. Sie sollte schon lange da sein … Klimawandel! Um das lokale Klima zu verbessern, und unter anderem auch zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, haben wir gerade in den ersten 30 Dörfern Baumschulen eingerichtet. 60.000 bis 70.000 Bäume werden es am Ende sein, wenn alle überleben. Dazu kommen 4.500 veredelte Orangenbäumchen für die Mütterclubs. Sie werden zur Ernährung der Familien beitragen und Einkommensquelle sein.

23. April 2016
Warten auf die Regenzeit: Nach einigem Stress und der Lösung vieler Herausforderungen ist jetzt alles vorbereitet. Mit der Regenzeit beginnt hier in Togo die große landwirtschaftliche Saison – eine der wichtigsten Etappen in unserem DRK-Projekt.

Maiskolben
Mit den neuen Anbaumethoden erzielten die Frauen nicht nur höhere Erträge, sie ernteten auch größere Maiskolben.

In der letzten großen Saison (April bis August 2015) haben wir mit den Frauen in 40 Dörfern in sogenannten Farmer Field Schools verbesserte landwirtschaftliche Methoden erarbeitet und der Erfolg war sensationell: Gemeinsam haben die Teilnehmerinnen jeweils eine Hälfte des Feldes nach herkömmlichen Methoden angebaut, während sie die andere Hälfte nach unseren neu erlernten Methoden – unter anderem mit organischer Düngung und angepasstem verbessertem Saatgut – bewirtschafteten. Im Durchschnitt war der Mais-Ertrag auf den neuen Feldern schließlich 3,5-fach (!!) so hoch, wie auf den herkömmlichen Parzellen. Das heißt die Frauen haben dreieinhalb mal so viel Mais geerntet! Mehr und deutlich größere Maiskolben! Das hat alle überzeugt!

 

Jetzt kommt die zweite Phase: Die Frauen werden die neuen Methoden auf ihren eigenen Feldern anwenden. Dabei unterstützen wir sie, insgesamt 1.400 Frauen in 40 Dörfern, mit dem verbesserten Saatgut und Dünger. Der Dünger wird jetzt noch benötigt, weil die Felder total ausgelaugt sind. Ab der dritten Saison soll er aber komplett durch organischen Dünger/selbst hergestellten Kompost ersetzt werden.

Seit Wochen fahren wir also mit unseren beiden Pickups auf nicht enden wollenden Buckelpisten durch den Busch und liefern die Säcke mit Dünger und Saatgut aus. Die Frauen mussten in den letzten drei Monaten je vier Säcke Kompost selbst herstellen, wie sie es in der Farmer Field School gelernt haben, um einen Sack Dünger und das benötigte Saatgut von uns zu erhalten. Natürlich gab es dabei auch Schwierigkeiten in manchen Dörfern – die Änderung eines gewohnten Verhaltens und Extra-Anstrengung sind immer schwierig, überall auf der Welt. Aber die meisten haben sehr engagiert ihre Komposthaufen präsentiert.

Die Teilnehmerinnen sind stolz auf das, was sie bisher erreicht haben und motiviert, weiterzumachen. Foto: DRK
Die Teilnehmerinnen sind stolz auf das, was sie bisher erreicht haben, und motiviert, weiterzumachen.

Eigentlich hätte der Regen schon Anfang April kommen sollen, aber außer ein oder zwei Tropengüssen Ende März/Anfang April ist nichts gekommen. Wenn  er nicht bald einsetzt, wird die Zeit kurz, um den Mais voll ausreifen zu lassen. Das ist leider in der letzten kleinen Regenzeit von September bis Dezember passiert. Sieben von zehn Feldern in unseren Farmer Field Schools haben keinen Ertrag gebracht, da in den betroffenen Dörfern plötzlich der Regen ausgeblieben ist, bevor der Mais von der Blüte in die Reife übergegangen ist. Und wie auf unseren Schulfeldern war es auch auf den eigenen Feldern der Familien: Es gabt teilweise keinen Ertrag. Die Familien mussten den Mais also einkaufen, und das zum doppelten Preis aufgrund der Knappheit. Da hier in den Dörfern niemand Geld übrig hat, ging das natürlich leider zu Lasten anderer geplanter Ausgaben, wie z.B. Schulgeld oder ähnlichem. Das macht schon ganz schön betroffen, wenn man es hautnah miterlebt. Seit etwa zehn Jahren ist das hier so – der Regen kommt nicht mehr regelmäßig wie vorher, sondern unregelmäßig und weniger. Wir hoffen also alle auf eine gute Saison in diesem Jahr!

(Noch) kleine Bäumchen sind ein Teil großen Hoffnungen auf eine gute Ernte und besserer Ernährung für die Projektteilnehmerinnen und ihre Famlien. Foto: DRK
(Noch) kleine Bäumchen sind ein Teil großen Hoffnungen auf eine gute Ernte und besserer Ernährung für die Projektteilnehmerinnen und ihre Famlien.

25. April 2016
Heute ist unsere große Pflanz-Aktion der veredelten Orangenbäumchen für die Mamas der  Mütterclubs gestartet: drei Bäumchen pro Mama – eine früh-, eine normal- und eine spätreifende Sorte. Insgesamt 4.500 Orangenpflanzen, die die Bodenfruchtbarkeit verbessern, zur gesunden Ernährung beitragen und Einkommen schaffen. Und ich freue mich nach Wochen am Schreibtisch mit Planung, Organisation und  Beschaffungsprozessen, Berichten, Buchhaltung und Budgetmanagement jetzt wieder viel im Busch unterwegs zu sein, in unseren Projektdörfern und in engem Kontakt mit unseren Teilnehmerinnen – auch wenn die Tropensonne erbarmungslos auf uns runterbrennt und die Feuchtigkeit den Schweiß triefen lässt. Nach wie vor warten wir auf den erlösenden und dringend zum Pflanzen des Mais notwendigen Regen.

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Fotos: DRK

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Foto: DRK-Mitarbeiterin mit Basecap Andrea Kehrwald
DRK-Mitarbeiterin Andrea Kehrwald erlebt in ihrem Einsatz in Maritime in Togo so einiges. Ob in der Katastrophenvorsorge oder Ernährungssicherung – für das DRK arbeitet sie gemeinsam mit den Menschen in der Region für ein besseres Leben.

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