Unbeschwertes Lernen – Schulprojekt des DRK im Jemen

Am 29.11.2012

Von Julia Meixner, DRK-Delegierte
Die ersten zwei Monate als Delegierte für das Deutsche Rote Kreuz sind nun schon vorüber. Sie waren so ereignisreich, dass es schwierig ist, die Erfahrungen in Worte zu fassen.
Da es mein erster Auslandseinsatz für das DRK ist, hat meine Zeit im Jemen zuerst mit einer ausführlichen Vorbereitung und einem Training in Berlin begonnen. Während des sogenannten „Impact“ Kurses (International Mobilization and Preparation for Action) wurde ich zusammen mit anderen Delegierten intensiv auf das Zusammenspiel der einzelnen Organe der Rotkreuz Bewegung vorbereitet, auch auf die Herausforderungen, die in den einzelnen Ländern auf uns warten könnten. Abschließend wurde in einer Kaserne im Berliner Umland ein Sicherheits- und Erste-Hilfe-Training veranstaltet – anstrengend, aber im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig für die Arbeit in unseren Projektländern.

 

 

 

 

Schülerinnen in Tarim mit Rotkreuz-Flaggen
Schülerinnen in Tarim mit Rotkreuz-Flaggen

 

 

 

Und dann war es soweit: nach dem Abschied von meiner Familie und meinen Freunden ging es zuerst nach Beirut, wo unser Regionalbüro für den Mittleren Osten und Nordafrika ist. Nach weiterer Vorbereitung und Planung war der nächste Halt endlich Sana’a, die Hauptstadt der Republik Jemen und mein Zuhause für die nächsten zwölf Monate. Der Jemen, ein Land das bis 1990 geteilt war und vor allem im letzten Jahr in Deutschland immer wieder in den Schlagzeilen war. Der „Arabische Frühling“ 2011 hatte bedeutende Auswirkungen auf die jemenitische Bevölkerung. Blutige Proteste und gewaltsame Demonstrationen veranlassten den umstrittenen Präsidenten Ali Abullah Salih nach 33-jähriger Herrschaft von seinem Amt zurückzutreten. Doch der ersehnte Aufschwung scheint noch immer fern…

Die Republik Jemen ist eines der ärmsten Länder der Welt; fast die Hälfte der 24 Millionen Einwohner lebt von kaum mehr als einem Euro am Tag. Die Dürre der letzten Jahre und die andauernden Konflikte zwischen Anhängern des Salih Regimes und der Opposition haben das Land in eine tiefe Nahrungsmittelkrise gestürzt. Die Folgen sind erschütternd – fast eine Million Kleinkinder sind akut mangelernährt, ein Viertel von ihnen so schwer, dass sie ohne schnelle Hilfe sterben könnten.

Die tiefe Armut und Verzweiflung der Menschen spiegelt sich auch auf den Straßen Sana’as wieder. Unzählige Kinder und Frauen bitten inmitten des täglichen Verkehrschaos um Kleingeld oder Essen. Häufig sieht man Kriegsveteranen am Straßenrand, die in den langjährigen Kämpfen so schwer verletzt und verstümmelt wurden, dass sie keiner Arbeit mehr nachgehen können. Der Schrecken des letzten Jahres und die Angst vor einer ungewissen Zukunft sind allgegenwärtig.

Während der Auseinandersetzungen im letzten Jahr wurden viele Schulen in den Städten immer wieder zu kriegerischen Zwecken missbraucht. Oft haben sich bewaffnete Soldaten beider Parteien in den Schulen verschanzt oder diese gezielt beschossen. Die Folgen für die Kinder sind auch jetzt noch spür- und sichtbar. Neben den Einschusslöchern an den Schulmauern erzählen noch heute viele Kinder, welch große Angst sie hatten, als plötzlich auf dem Schulgelände Schüsse fielen. Die Schüler selbst fühlten sich oft hilflos und viele Eltern haben ihre Kinder aus Angst nicht mehr zum Unterricht gelassen.

Evakuierungsübung: 1.700 Schülerinnen bringen sich vor der Schule in Sicherheit
Evakuierungsübung: 1.700 Schülerinnen bringen sich vor der Schule in Sicherheit

Zusammen mit unserem Partner, dem jemenitischen roten Halbmond, beginnen wir nun an zwölf besonders betroffenen Schulen kleine Renovierungsarbeiten durchzuführen, um die Räumlichkeiten kinderfreundlich zu gestalten. Außerdem trainieren wir Freiwillige des jemenitischen roten Halbmonds und Lehrer darin, den Mädchen und Jungen psychosoziale Unterstützung anbieten zu können. Die Kinder sollen sich so wieder geborgen fühlen, Freude am Lernen haben und wissen, dass Ansprechpartner für ihre Probleme jederzeit direkt vor Ort für sie da sind. Außerdem bekommen die Schülerinnen und Schüler u.a. Erste-Hilfe-Kurse und eine entsprechende Ausrüstung, damit sie im Fall von erneuten Konflikten oder anderen Krisen besser geschützt sind und sich umeinander kümmern können.

Mädchen im Jemen lächelt in die Kamera
Mädchen im Jemen lächelt in die Kamera

Darüber hinaus wollen wir unsere Aktivitäten weiter ausweiten, um auch auf die akute Hungerkrise umfassend reagieren zu können. Sicherlich eine Herausforderung in einem Land, in dem vor allem die Sicherheitssituation unberechenbar bleibt – aber ich bin mir sicher, dass wir zusammen mit unserem jemenitischen Partner Vieles für die betroffenen Familien erreichen können.

Zwei Schülerinnen in Tarim mit Rotkreuz-Flaggen
Zwei Schülerinnen in Tarim mit Rotkreuz-Flaggen

3 Kommentare zu “Unbeschwertes Lernen – Schulprojekt des DRK im Jemen

  1. Liebe Helfer(innen),

    ich danke euch vom gazen Herzen für euren Einsatz, für eure Liebe euren Mitmenschen gegenüber, für eure Selbstlosigkeit, für eurer Wunsch nach einem friedlichen und harminischen Miteinander!!!
    Ich wollte insgesamt auf etwas hinweisen, auch wenn ich weiß dass vielen von euch das schon bewusst ist, ich wollte trotzdem unbedingt euch dies schreiben. Sorgt dafür dass die Hilfe die ihr leistet, eine in Richtung Selbsthilfe so viel wie es geht ist, tut alles dafür diesen Menschen deren Würde, Hoffnung und Vertrauen wieder zu geben und die Mitteln sich
    selber etwas aufzubauen, unabhängig zu werden, auch von weiteren Hilfen von außen. Die Menschen haben immer das Recht und ein inneren Ruf deren vollen Potenziel auszuschöpfen, jeder kann beitragen, denn jeder ist auf seiner Seite einzig- und grossartig begabt, sei es mit intelektuellen und/oder physischen Eigenschaften.
    Geben wir diesen Menschen diese Möglichkeit, Menschen sein zu können, deren schöpferischen Potenzial ausnutzen und nicht weiter in Abhängigkeit und ohne Möglichkeiten sich zu empfalten.

    Bitte tragt diese Bitte weiter in euren Reihen und in der Administration und an allen Verantwortlichen in der DRK.

    Ich bin euch unendlich dankbar und ich erkenne das strahlende Licht und die große Liebe die euch beseelt.

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