Weißrussland: Menschenliebe leben

Am 02.04.2012

von Ludmila Balashova, Mitglied der Initiativgruppe „Freundlichkeit“

Meine Tätigkeit in der Initiativgruppe hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass Menschen unterschiedlich leben können. Du kannst essen und trinken, ohne dabei Freude zu empfinden. Und du kannst immer nur daran denken, anderen Menschen Schlechtes zu tun. Oder du kannst aufstehen und über das Wunder nachdenken, wie es wäre, wenn man die Sonne mit den Händen greifen und einen Teil davon an andere Menschen geben könnte! Und es selbstlos zu tun – das wäre eine bewundernswerte Tat. Ich bin davon überzeugt, dass meine Gruppenaktivität mir hilft, spirituell zu wachsen, Selbstlosigkeit zu entwickeln, vorzuleben und anderen Menschen Freude zu bringen. Ich bin tief berührt und zufrieden, wenn ich ein Licht in den Augen eines Bedürftigen sehe und weiß, dass es ihm weiterhin gut gehen wird. Ich fühle mich nützlich und notwendig.

Die Idee gab es schon, bevor die Initiativgruppe gestartet wurde: aktive Menschen, die Unterstützung für ältere und einsame Menschen anbieten, mit Menschen zusammenzubringen, die in schwierigen Situationen sind. Ziel der Initiative ist es, die Aufmerksamkeit von Hilfsorganisationen zu gewinnen, um auf die Probleme bedürftiger Menschen aufmerksam zu machen und grundlegende menschliche Hilfe anbieten zu können.

Unsere Stadt ist sehr klein, daher kennen sich die Teilnehmer des Projektes sehr gut. Es sind diese Menschen, die in die gleiche Kirche der orthodoxen Gemeinde von Novogrudok gehen und auch dem Hausbesuchsprogramm des Weißrussischen Roten Kreuzes helfen. Nächstenliebe und Barmherzigkeit haben eine besondere Bedeutung für diese Menschen: es ist die Liebe und die Bereitschaft, gute Dinge zu tun, ohne eine Belohnung zu erwarten. Daher waren diese Menschen sehr begeistert, als im Mai 2009 eine Initiative ins Leben gerufen wurde, die ihre Bemühungen koordiniert, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Eine Frau misst Blutdruck bei einem Senioren.
Eine Freiwillige der Initiativgruppe misst bei einem Senioren den Blutdruck.

Eine Gruppe von fünf aktiven Freiwilligen arrangierte ein Treffen, um organisatorische Fragen zu besprechen wie den Namen des Projekts und seine wichtigsten Aktivitäten. Als wichtigste Aspekte unserer Tätigkeit wurden geplant: die gegenseitige Hilfe zwischen den älteren Menschen zu organisieren, soziale Dienste und Unterstützung auszuweiten, einsame Menschen zu mehr Beteiligung bei der Bewältigung ihrer eigenen Probleme zu ermuntern, und Hilfe für Menschen in schwierigen Situationen zu gewährleisten.

Die Mittel, die dem Projekt zugeteilt wurden, wurden für verschiedene Aktivitäten verwendet – zum Beispiel Feiern zu Festtagen (z.B. am Seniorentag), Ausstellungen (z.B. „In unseren Herzen und Seelen“ des Künstlers Nicolai Ponasenka, unserem Landsmann) und Besuche von heiligen Stätten in den Regionen um Novogrudok und Grodno.

Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem Tisch in einem weihnachtlich geschmückten Raum, eine Frau trägt ein Kostüm aus hellblau-weißem Mantel, Mütze und Sternenstab, eine Person ist als Weihnachtsmann gekleidet.
Gemeinsame Zeit: Nicht nur zu Feiertagen organisiert die Initiativgruppe „Freundlichkeit“ Feste und Treffen.

In unserer Lokalzeitung „New Life“ wurden zum ersten Mal Informationen über die Aktivitäten unserer Initiativgruppe veröffentlicht. Danach begannen die Leute, bei uns anzurufen und uns nach unseren Zukunftsplänen zu fragen. Einige von ihnen wurden Freiwillige und beteiligten sich an den Projektaktivitäten. Viele der Neuankömmlinge erwiesen sich als sehr talentierte und aktive Menschen (Lyudmila Kanapatskaya, Anna Guretskaya, Svetlana Abdullaeva). Diese Frauen schreiben Gedichte und nehmen an allen gesellschaftlich relevanten Ereignissen der Stadt und der Region teil. Sie haben eine große Lebenserfahrung, kombiniert mit einem reichen geistigen und emotionalen Hintergrund.

Eine Gruppe von Freiwilligen steht in einem Gemeinschaftsraum, ein Mann hält einen Regenschirm.
Engagiert für die Menschen: Freiwillige der Initiativgruppe

Gemeinsam haben wir ein Nachschlagewerk mit dem Namen „Die Behandlung von Erkältungen und viralen Erkrankungen“ veröffentlicht. Dieses Buch ist einzigartig in seinem kompakten und praktischen Nutzen – kurz und klar beschreibt es Krankheiten und ihre Symptome sowie Möglichkeiten, Medikamente aus natürlichen Inhaltsstoffen herzustellen. Das Buch bietet eine ziemlich vollständige Liste einfacher und zugänglicher Rezepturen der traditionellen Medizin und beschreibt mögliche Gegenanzeigen für den Einsatz von Kräutern, Früchten und Wurzeln. Es ist wichtig zu wissen, dass alle Mitglieder der Initiativgruppe große Erfahrungen im Sammeln von Heilkräutern und Gewürzen haben – das erlaubte ihnen, ein wirklich umfassendes Nachschlagewerk zusammenzustellen.

Wir haben lokale Sponsoren gewonnen: Die städtische Bäckerei stellt uns ihre Produkte für unsere Feste und Treffen zur Verfügung. Der Verlag unserer Lokalzeitung gibt uns Zeitungen und Zeitschriften für die Hilfebedürftigen und die öffentliche Bibliothek sowie einzelne Unternehmer helfen uns dabei, unsere Transportkosten zu decken. Die Gruppe hat auch nachhaltige Zusammenarbeit mit der örtlichen Gliederung der Weißrussischen Veteranen-Vereinigung, des regionalen Behindertenverbands, dem regionalen Gemeinschaftszentrum, mehreren orthodoxen Kirchen, der örtlichen Klinik und dem Kreiskrankenhaus etabliert.

Dennoch gibt es Dinge, die unsere Initiativgruppe zu den wertvollsten und wichtigsten zählt. Das sind unsere individuelle Herangehensweise und der direkte tägliche Kontakt unserer Freiwilligen mit ihren Hilfeempfängern. Manchmal reicht es, einfach anzurufen und die Leute nach ihrer Gesundheit zu fragen. Andere benötigen den Besuch und einen Zuhörer, während manche Menschen Hilfe bei bestimmten Tätigkeiten brauchen.

Derzeit gibt es 25 Teilnehmer im Projekt. Alle von uns leben in der Stadt, also haben wir keine Probleme, uns zu einer Veranstaltung oder an einem Feiertag zu treffen. Wir arbeiten auch daran, mehr Menschen für unsere Gruppe zu interessieren, besonders Menschen, die in abgelegenen Gebieten oder dünn besiedelten Dörfern leben. Svetlana Abdullaeva ist ein Mitglied unserer Initiativgruppe. Sie fährt in viele Dörfer und sammelt Informationen über die Schicksale von interessanten und zu Unrecht vernachlässigten Menschen. Dann erzählt sie ihre Geschichten auf den Seiten lokaler und regionaler Zeitungen. Sie hat speziell für dieses Projekt Gedichte geschrieben, die wir als Motto für unsere Arbeit benutzen.

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