Foto: Esel und Kind in Wüste

Weltwassertag: Lange Fußmärsche durch Hitze und Wüstensand

Am 21.03.2016 von Benjamin Straube

Foto: Esel und Kind in der Wüste

Yassin ist Wasseringenieur des Somalischen Roten Halbmondes und verantwortlich für die Umsetzung des DRK-Projektes, das die Auswirkungen der schweren Dürre in Somaliland minimieren soll. Er prophezeite uns gestern einen anstrengenden Tag und er sollte Recht behalten. Sichtlich geschafft steigen wir aus unserem mit rötlichem Wüstenstaub überzogenen Geländewagen. Fünf Stunden unbefestigte Straßen und das heiße Wüstenklima setzen unserem drei-köpfigen DRK-Team zu. Doch wir haben bereits vier verschiedene Siedlungen im äthiopisch-somalischen Grenzgebiet besucht.

ausgemergelte Kühe
Derzeit ein übliches Bild in Somaliland: ausgemergelte Tiere.

Erschreckend ähnlich ist das Bild, das sich uns in allen Orten bietet: Herden von Schafen und Ziegen suchen die Umgebung nach den letzten Resten Vegetation ab, ausgemergelte Kühe schaffen es vor Erschöpfung nicht mehr aufzustehen und wir treffen auf Menschen, die nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.

 

Dürre: Verzweiflung in Faraweyne

Wir sind in Faraweyne, einer 300-Seelen-Gemeinde, die unter der erbarmungslosen Sonne zu ächzen scheint. Nachdem die dritte Regenzeit in Folge mager oder ganz ausgefallen ist, wird die Verzweiflung immer größer. Der Älteste des Dorfes schildert uns die Situation: Fast alle Wasserspeicher, die eigentlich zweimal im Jahr durch Regenwasser gefüllt werden, sind ausgetrocknet. Ein einziger beherbergt noch eine Restpfütze Wasser, ist aber bereits umringt von jungen Frauen mit Wasserkanistern und durstigen Schafen, Ziegen und Rindern.

In den Regionen Woqooi Galbeed und Awdal hat das DRK zur Linderung der größten Not, Berkads - traditionelle Wasserreservoirs - mithilfe von LKWs aufgefüllt. Foto: Benjamin Straube
In den Regionen Woqooi Galbeed und Awdal hat das DRK zur Linderung der größten Not, Berkads – traditionelle Wasserreservoirs – mithilfe von LKWs aufgefüllt.

Alle warten darauf, an der Reihe zu sein. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass es nicht mehr lange reichen wird. Wir fragen den Ältesten, wann unsere Tanklaster diesen Wasserspeicher zuletzt befüllt haben. Die Antwort verschlägt uns die Sprache: vor zwei Tagen. Wir erfahren, dass sich die Nachricht über die Wasserlieferung schnell herumgesprochen hat und Menschen aus den umliegenden Dörfern mehrstündige Fußmärsche auf sich nehmen. Ihnen bleibt keine andere Wahl.

Da die Regionen Woqooi Galbeed und Awdal unmittelbar an der äthiopischen Grenze liegen, kommen auch von dort Menschen mit ihren Tieren, um sie und sich mit dem Wasser aus den vom DRK aufgefüllten Berkads zu versorgen. Foto: Benjamin Straube
Da die Regionen Woqooi Galbeed und Awdal unmittelbar an der äthiopischen Grenze liegen, kommen auch von dort Menschen mit ihren Tieren, um sie und sich mit dem Wasser aus den vom DRK aufgefüllten Berkads zu versorgen.

Weiterhin ist kein Regen in Sicht. Wir beschließen, dass ergänzende Wasserlieferungen mit anderen Organisationen koordiniert werden müssen, um flächendeckend alle Menschen erreichen zu können. Außerdem werden wir uns verstärkt um die Instandhaltung der Wasserspeicher kümmern und Trinkwasserfilter zum Einsatz bringen. Nichtsdestotrotz schauen wir besorgt in die Zukunft und hoffen, dass der Regen bald wieder zurückkehrt nach Somaliland.

Die Wasserspeicher sind trotz Auffüllung innerhalb kürzester Zeit wieder leer. Foto: Benjamin Straube
Die Wasserspeicher sind trotz Auffüllung innerhalb kürzester Zeit wieder leer.

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Fotos: Aapo Huhta/ Finnish Red Cross, Benjamin Straube/ DRK

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Foto: Portrait eines DRK-Mitarbeiters Benjamin Straube
Benjamin Straube war DRK-Delegierter in Somaliland. Er berichtet hier von den Herausforderungen in der Region und der Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes.

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