Foto: Mit dem Schlauchboot angekommene Flüchtlinge am Strand von Lesbos

„Wir hatten unglaublich große Angst auf unserer Flucht“

Am 18.09.2015 von René Schulthoff
Gefärhliche Flucht: in einem Schlauchboot angekommene Flüchtlinge am Stand von Lesbos
Viele Flüchtlinge wählen den gefährlichen Weg mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer.

Die 27-jährige Nezrin aus Aleppo in Syrien berichtet von ihren Erlebnissen auf ihrer Flucht vor der Gewalt in Syrien. Sie hat sicher Lavrio in Griechenland erreicht und wohnt in einem kargen Raum zusammen mit ihrer Familie.

„Wissen sie, es ist so in Syrien, dass sie jeden Tag damit rechnen müssen, dass sie sterben. Deswegen habe ich diese Gefahren der Flucht auf mich genommen. Es kann nur besser werden als in dieser täglichen Gefahr in Aleppo zu leben. Du liegst in Deinem Bett, und es kann jederzeit passieren, dass eine Rakete, eine Bombe dein Haus trifft und du stirbst.“ Das sagt mir eine moderne junge Frau aus Aleppo.

„Ich bin zu Fuß aus Aleppo geflüchtet“

Nezrin hat Finanzwesen studiert. In gutem Englisch berichtet sie mir, was sie auf ihrer Flucht aus einer umkämpften Stadt in Syrien erlebt hat. Es ist schwer, alle Details wiederzugeben, so schrecklich und traurig sind diese Informationen. „Ich bin zu Fuß aus Aleppo geflüchtet. Es gibt dort verschiedene Gruppierungen, die dort kämpfen. Ich wusste nicht, ob ich das lebend überstehen würde, aber irgendwie bin ich bis zur Grenze der Türkei gekommen. Es war schrecklich.“ Ich frage sie nicht nach weiteren Details, aber meine Vorstellungskraft reicht aus, um mir auszumalen, was die junge Frau allein durchgemacht hat.

„Meine Schwester und ihr Mann waren zusammen mit dem kleinen Johnny, ihrem Sohn, ein paar Tage vorher aufgebrochen. Ich wusste, dass sie es bis nach Izmir in der Türkei geschafft hatten. Ich bin illegal über die Grenze in die Türkei gelangt. Es hat dann wieder zwei Tage gedauert bis ich schließlich auch Izmir erreicht habe. Wir wollten uns dort treffen.“ Sie trifft tatsächlich ihre Schwester und die kleine Familie. Von nun an geht die Flucht zusammen weiter und es wird wieder gefährlich.

Nezrin und ihre Familie sind nach Griechenland geflüchtet. (Foto: René Schulthoff)
Nezrin und ihre Familie sind nach Griechenland geflüchtet.

„Es war so gefährlich, aber wir haben es geschafft“

„Wir haben uns dafür entschieden, mit einem Boot nach Griechenland überzusetzen. Es war ein ganz kleines Schlauchboot. Wir haben mit 55 anderen da gesessen und sind auf das offene Meer gefahren. Wir haben und aneinander geklammert. Der kleine Johnny, er ist nicht mal ein Jahr, hat eine kleine Rettungsweste getragen. Es war so gefährlich, aber wir haben es geschafft.“

Die kleine Rettungsweste haben Nezrin und ihre Familie behalten, als Erinnerung für den kleinen Johnny. Sie wollen sie ihm geben, wenn er mal größer ist und sie ihm diese Geschichte ihrer Flucht an einen sicheren Ort erzählen können.

„Ich danke dem Roten Kreuz für die Hilfe hier in Lavrio. Danke“ sagt Nezrin, als ich mich von ihr verabschiede und der kleine Johnny mich noch einmal anlacht.

» Erfahren Sie mehr über die DRK-Flüchtlingshilfe: www.DRK.de/Flüchtlingshilfe

Fotos: Finnisches Rotes Kreuz/ IFRK, René Schulthoff/ DRK

Geschrieben von:

Foto: DRK-Miartbeiter im Portrait. René Schulthoff
Um aus den Projekten zu berichten, war René Schulthoff für das Deutsche Rote Kreuz bereits in Syrien, Griechenland, Jordanien und Nepal, aber auch im Nordirak und Jemen.

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