Foto: DRK-Mitarbeiterin mit vietrnamesischen Schülern

Zu Besuch in den Bergen Vietnams

Am 17.06.2015 von Agnieszka Kurek

Foto: Frauen bei der Arbeit auf einem Reisfewld in Vietnam

Ende 2014 flog ich in meinem Winterurlaub nach Vietnam und entschied mich, die Gelegenheit zu nutzen, um ein Projekt vor Ort zu besuchen. Das DRK führt seit mehreren Jahren verschiedene Projekte in Vietnam durch, vor allem in der Katastrophenvorsorge, der Wasser-, Hygiene- und Gesundheitsversorgung. Dabei sind wir in verschiedenen Provinzen in Nord-, Zentral- und Süd-Vietnam aktiv.

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Das Leben in den Bergen Vietnams ist hart.

Das Büro liegt in der Hauptstadt von Vietnam, Hanoi. Die Leiterin des Büros, Marina Hovannesjan bot mir an, ein Wasser-/Gesundheitsprojekt im Norden Vietnams zu besuchen. Dort war über ein Wochenende eine Schulung geplant. Ich legte an einem Tag fast 3.400 km vom Süden des Landes (Insel Phu Quock) in den Norden zurück und kam mit zwei Mitarbeiterinnen des Roten Kreuzes fast an der Grenze zu China, in der Provinz Long So, an.

Die Hälfte der Bevölkerung hatte keinen Zugang zu Trinkwasser

Eine Kollegin namens Nguyen Thi Hoa, die seit 2009 für das DRK arbeitet, erzählte mir auf dem Weg, wie die Lage im Norden, in den bergischen Provinzen Lang Son und Cao Bang, aussieht. Hoa (die vornamen in Vietnam stehen nach dem Nachnamen) sagte, dass bevor das Rote Kreuz angefangen hat, das Projekt in der Gegend durchzuführen, mehr als die Hälfte der Bewohner der beiden Provinzen keinen Zugang zum sauberen Trinkwasser hatten.

Meist fehlt der Bevölkerung das Wissen darüber, wie man das Wasser vor der Nutzung behandelt. Da das Grundwasser sehr mit Chemikalien wie Pestiziden und Herbiziden verpestet ist, ist es eine Komponente des Projektes, die örtlichen Wasserkomitees zu trainieren, die ihrerseits der Bevölkerung und in den Schulen das Wissen über Hygiene vermitteln. Auch das Bauen der Latrinen, das Verlegen von Pumpen und Rohren gehört zu ihren Aufgaben. Erfahrungsgemäß sind in den Schulen mit 200 bis 300 Schülern nur zwei bis vier Latrinen vorhanden. Aus diesen vielen Gründen haben die Menschen in der Region ein sehr hohes Risiko, an z.B. Durchfallkrankheiten, Cholera oder Dysenterie zu erkranken.

Hygieneschulungen für 1.700 Familien und 800 Schulkinder

Wir kamen in einem kleinen Bergdorf in der Provinz So Long an, wo die Rotkreuzmitarbeiter den zweitägigen Workshop zum Beginn des neuen Projekts starteten – gemeinsam mit Behörden und Familien. Das Ziel des Projekts ist unter anderem, die lokalen Rotkreuzmitarbeiter und Freiwilligen zu schulen und ca. 1.700 Familien und 800 Schüler mit den Schulungen zu erreichen.

Foto: DRK-Mitarbeiterin mit vietrnamesischen Schülern
Die Schüler freuen sich über bessere sanitäre Einrichtungen.

Ich fuhr weiter in die Berge hinauf, wo es fast keine Wege mehr gab, um dort eine Schule und eine Bauernfamilie aus der Gegend zu besuchen. Mir ging durch den Kopf, dass Vietnam meistens mit einem sonnigen Land assoziiert wird, wo Frauen konische Hüte tragen und es immer warm ist. Das stimmt auch, aber eher für den Süden, der ein tropisches Klima hat. Im Norden des Landes herrscht eine andere, subtropische Klimazone.

Zuhause bei einem lokalen Bauern

Foto: Vietnamesischer Bauer vor seiner neuen Latrine
Der vietnamesiche Bauer ist dankbar für seine neue Latrine.

Ich wickelte mich warm in meinen Schal ein und stieg vor einem heruntergekommenen Haus im Dorf Con Na – Con Thon in der Van Quan-Gemeinde aus, um den Bauern Trieu Van Dang zu besuchen. Es ist für mich immer erschütternd zu sehen, unter welch einfachen Umständen Menschen leben können. Und es ist schön zu wissen, dass sie trotzdem glücklich sind mit dem bisschen, das sie haben. Herr Trieu zeigte mir sein Haus, wo er mit seiner 5-köpfigen Familie zwei Räume bewohnt und ein Bett teilt. Er präsentierte mir stolz seine vom DRK neu gebaute Latrine. Er erzählte, dass sie zuvor alle auf einen Berg gehen mussten. Jetzt hat er es nicht mehr so weit und kann die Hinterlassenschaften auch als Dünger fürs Feld verwenden.

Grundschüler zeigen stolz, wie sie ihre Hände waschen

Meine zweite Station war die Trang Son-Grundschule. Die Schüler hatten gerade eine Pause und präsentierten mir mit viel Enthusiasmus, wie man sich richtig die Hände wäscht. Die Lehrerin Frau Thiet hörte nicht auf, sich für die vom DRK gebauten Toiletten zu bedanken. Davor gab es für 200 Kinder nur eine einzige Toilette.

Ich war wieder auf dem Boden der Tatsachen und dankbar dafür, in einem reichen westlichen Land leben zu können. Es ist aber gut zu sehen, dass wir in den Entwicklungsländern aktiv sind, dass unsere Hilfe ankommt und wir gemeinsam Einiges erreichen und verändern können.

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Foto: T.Klose/ DRK; Agnieszka Kurek/ DRK, DRK

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Foto: Portrait einer DRK-Mitarbeiterin Agnieszka Kurek

Agnieszka Kurek ist Mitarbeiterin im Generalsekretariat des DRK in Berlin.

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