Flüchtlinge und DRK-Mitarbeiter auf einem Damm in Bangladesch

Bangladesch: Die schiere Masse der Hilfesuchenden ist überwältigend

Am 05.12.2017 von Stefan Vieth

Menschen auf einem Damm am Fluß

Bei jedem Einsatz gibt es Bilder, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen! Allein die schiere Masse der Hilfesuchenden ist überwältigend. Das Bild, das sich mir aber eingebrannt hat, war der Anblick von 10.000 bis 15.000 Menschen, die auf einem Uferdamm am Naf-Fluss Zuflucht gesucht hatten. Ein Bild des Jammers auf engstem Raum. 

Ein schmaler Damm voller Menschenmassen

Kinder auf einem schlammigen Damm
Hier auf diesem rutschigen Damm harren Menschen teilweise tagelang aus, um nach Bangladesch zu gelangen. Foto IFRC/Christoph Hanger

Zu Hunderttausenden kommen die Menschen aus Rakhine in Myanmar über die Grenze nach Bangladesch. Sie sind in notdürftig erstellten Unterkünften untergebracht, für das Aufnahmeland eine schwierige Aufgabe. Die Schätzungen liegen bei über 600.000 Menschen.

Das Bild, das sich mir aber eingebrannt hat, war der Anblick von 10.000 bis 15.000 Flüchtlingen, die auf einem Uferdamm am Naf-Fluss Zuflucht gesucht hatten. Ein Bild des Jammers auf engstem Raum. Wir sind mit einem Team aus Medizinern und Experten für Trinkwasser- und Lebensmittelverteilung dort gewesen. Es war einmal wieder zu wenig, was wir anbieten konnten, einfach weil mit den LKW kein Durchkommen war, nicht mit Wassertankern und auch nicht mit Lebensmitteln für so viele Leute. Aber nach zwei Tagen konnten wir die Menschen dann in unser Transitcenter bringen und in die Lager verteilen.

 

„Erfahrene Kräfte für den Auslandseinsatz gesucht“

Aber der Reihe nach: Ich, Stefan Vieth aus Erkrath, bin vor Jahren schon öfter mit dem DRK in Auslandseinsätzen gewesen. Anfang Oktober 2017 wurden wieder erfahrene Kräfte für den Auslandseinsatz gesucht, diesmal zur Trinkwasseraufbereitung in Bangladesch. Da gab es kein langes Nachdenken, es wurde mit dem Arbeitgeber gesprochen und zugesagt.

Gechlortes Trinkwasser
Das Wasser flockt nach dem Chlorieren braun aus, eine Folge des hohen Eisenanteils, aber unbedenklich. Foto: DRK /Stefan Vieth

Dann sollte es nicht um die Wasseraufbereitung an sich gehen, sondern mein Auftrag war eine Analyse und Erkundung der Gegebenheiten vor Ort als Teil des FACT-Teams. Das heißt „FACT WASH“ und steht für „Field Assessment and Coordination Team“ und WASH steht für „Water, Sanitation and Hygiene Promotion“. Auf Deutsch: Wir versuchen den Menschen Wasser zu verschaffen, das sicher zum Trinken ist. Ich rede hier nicht von deutscher Trinkwasserverordnung!

Normalerweise haben wir unsere klassischen Wasseraufbereitungs-Anlagen, es gibt im Camp aber weder Platz dafür noch entsprechendes Rohwasser, denn alles Oberflächenwasser ist – wegen der Nähe zum Meer – salzig. Es bleiben Bohrbrunnen, die aber teilweise mikrobiologisch belastet sind. Damit Menschen das trotzdem trinken können, wird das Wasser chloriert, um Keime abzutöten. Die mittelfristige Lösung wird in tiefen Bohrbrunnen gesehen, die langsam installiert werden, schließlich steht die Trockenzeit vor der Tür.

Versorgung mit dem Notwendigsten

Hütten und Latrinen auf einer Anhöhe
Die Latrinen sind meist rot und deshalb leicht zu unterscheiden. Foto: Stefan Vieth

Die Menschen haben sich in den Anhöhen Terrassen gegraben, auf denen sie ihre Hütten gebaut haben. Das sieht abenteuerlich aus, und an die Auswirkungen eines heftigen Monsunregens möchte ich gar nicht denken, denn natürlich sind viele Bäume schon zu Brennholz verarbeitet.

Wir stellen auch Material zur Verfügung, damit die Menschen ihre Hütten bauen können, Latrinen und Waschplätze – das als Dusche zu bezeichnen wäre schon gewagt. Sie bekommen Lebensmittel und Hygieneprodukte, Seife, Waschmittel, Kanister, mit denen man Wasser transportieren kann. Für die Frauen sind „Dignity Kits“ in Vorbereitung, also u.a. Damenbinden, die möglichst schnell beschafft und ausgegeben werden sollen.

Helfer aus aller Welt – eine bunte Mischung – und das DRK mittendrin

Stefan Vieth, ganz rechts oben, mit Elhadj As Sy, dem Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (oben mittig) und den internationalen Kollegen. Foto:
Nur Hayati Ahmad

Bei all dem Leid ist es gut zu sehen, dass Menschen aus aller Herren Länder gekommen sind, um hier zu helfen. Wir haben z.B. Österreicher, Schweizer, Schweden, Finnen, Norweger, Spanier,  Australier, Neuseeländer, Nepalesen, Kirgisen, Indonesier, Malayen, Hongkong-Chinesen, Türken, Katarer, Bahrainer, Iraner, Kanadier und Dänen dabei, eine bunte Mischung – und ich hoffe, ich habe nicht zu viele vergessen.

 

Wenn alles planmäßig läuft, sollte ich um das Wochenende 11./12. November wieder in Deutschland sein. Dann sind andere Kollegen vor Ort in Bangladesch und machen den Job weiter. Noch viel ist zu tun, die Trinkwasserversorgung beispielsweise ist bei so vielen Menschen immer eine Herausforderung. Unsere mobilen Kliniken arbeiten auch ständig am Limit, die Rotkreuz-Mitarbeiter retten dort jeden Tag Leben. Und dafür brauchen wir weiterhin dringend Spendengelder.

Herzliche Grüße aus Cox’s Bazar, Bangladesch!

Während der anhaltenden Krise in Bangladesch ist auch das Deutsche Rote Kreuz im Einsatz, um den vielen Menschen u.a. mit mobilen Gesundheitsteams zu helfen.

» Lesen Sie hier, was wir für die Menschen aus Rakhine leisten.

»Das DRK bietet humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und Gastgemeinden in Cox’s Bazar.

Auch DRK-Länderreferent Andreas Kassack war vor kurzem in Bangladesch, um den Flüchtlingen aus Rakhine zu helfen.

» Lesen Sie hier seine eindringlichen Eindrücke

Foto von Stefan Vieth: Mohamad Fakoor (Iranischer Roter Halbmond)

Geschrieben von:

Stefan Vieth
Stefan Vieth ist Geschäftsführer beim DRK-Kreisverband Mettmann und Teamleiter der Rotkreuzgemeinschaften und Einsatzdienste dort. Er war schon mehrfach bei Einsätzen für das DRK im Ausland, u.a. in Tansania, Zaire, Kenia, Rumänien, Polen, Peru und Indonesien.

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