Jemenitisches Mädchen mit Wasserkanistern

Jemen: Seham holt täglich Wasser

Am 30.06.2022 von DRK-Team

Jemenitisches Mädchen mit Wasserkanistern

Mit nur 12 Jahren hat die im Jemen lebende Seham eine sehr wichtige Aufgabe, auf die ihre ganze Familie angewiesen ist: Jeden Tag nimmt Seham ihre Plastikbehälter und wartet in einer langen Schlange, um sie mit Wasser zu füllen, bevor sie die schweren Kanister nach Hause zu ihrer Familie trägt.

Auf den folgenden Fotos nimmt Seham uns mit auf ihren täglichen Weg durch Altstadtstraßen von Sana’a. Im Herzen der jemenitischen Hauptstadt müssen viele Kinder wie Seham Extremes leisten, um das Nötigste zum Überleben zu erhalten.

Wichtige Aufgabe vor der Schule: Wasserholen

Zwei jemenitische Mädchen in einer Gasse

Gleich am Morgen macht sich Seham mit ihrer Freundin Fatima auf den Weg. Ihre Aufgabe: früh zum Hauptwassertank des Viertels zu kommen, damit sie in der langen Schlange vorn steht. Seham versucht, so schnell wie möglich genug Wasser zum Trinken, Wäschewaschen und Kochen für ihre Familie zu holen, damit sie rechtzeitig zur Schule kommen kann.
Oft kommt sie jedoch zu spät, muss allein gehen oder kann nicht einmal am Unterricht teilnehmen. Seit der Jemenitische Rote Halbmond geholfen hat, eine neue Wasserquelle in ihrem Viertel zu installieren, ist ihr täglicher Weg einfacher geworden. Dennoch braucht sie Durchhaltevermögen, Geduld und Selbstlosigkeit. „Zu oft stehe ich in der Wasserschlange, anstatt an meiner Schulbank zu sitzen“, sagt Seham.

Ein halbes Leben im Schatten des Krieges

Jemenitisches Mädchen an Wasserstelle

„Krieg und Angst sind die Dinge, die wir als Kinder im Hinterkopf behalten müssen, zusammen mit der Verantwortung, die uns auferlegt wird, wie z. B. viele Stunden an den Wasserstellen stehen zu müssen“, sagt Seham. „Leider ist das unser Alltag und wir kennen es gar nicht anders.“

Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat Seham im Schatten des Krieges verbracht. Sie ist eines von etwa 15 Millionen jemenitischen Kindern, die das erleben, was viele humanitäre Organisationen als die größte humanitäre Katastrophe der Welt bezeichnen. Das Projekt zum Bau von Wasserstellen, an dem der Rote Halbmond beteiligt ist, soll jemenitischen Familien in Stadtvierteln mit begrenztem Zugang zu sicherem Trinkwasser etwas Erleichterung verschaffen.

Am Wasserhahn: „Ein Moment, der mich immer glücklich macht“

Jemenitisches Mädchen an Wasserstelle

Ein Moment des Triumphs! Das ist der Moment, in dem Seham in der langen Warteschlange für Wasser ganz vorn steht. „Dieser Moment verdient es, jeden Tag dokumentiert zu werden, und ich teile ihn sogar auf Facebook. Es ist ein Moment, der mich immer glücklich macht“, erzählt Seham.

Mehr als 20 Millionen Menschen im Jemen benötigen dringend sauberes Wasser und Zugang zu sanitären Einrichtungen sowie Hygieneartikeln. Im Rahmen seiner Nothilfe hat der Jemenitische Rote Halbmond in sieben Gouvernements – Sana’a Municipality, Sana’a Governorate, Dhamar, Amran, Hajja, Al Mahwit, Ibb – Wasserstellen eingerichtet und damit jedes Jahr fast 33.000 Familien geholfen.

Schatzsuche am Waschtag

Jemenitisches Mädchen mit Schubkarre und Kanistern

Als Seham mit der Schule fertig ist, macht sie sich zum zweiten Mal an diesem Tag auf den Weg und trägt so viele Wasserkanister auf ihrer Schubkarre, wie sie kann. Diesmal geht sie von Viertel zu Viertel und versucht, genug Wasser zu sammeln, damit die Familie Wäsche waschen kann.

„Der Waschtag ist wie eine Schatzsuche, bei der ich versuche, in den verschiedenen Vierteln Wasser zu finden. Ich betrachte das schwere Gewicht meiner Schubkarre, die mit wassergefüllten Kanistern beladen ist, als den Schatz, den ich am Ende des Tages gewonnen habe.“

Sorge, dass das Wasser nicht reicht

Wasserstelle im Jemen

Nachdem Seham das Wasser nach Hause gebracht hat, sorgt sie sich darum, dass es effizient genutzt wird.

„Ich erinnere mich noch an die Zeit, als Corona kam und alle davon sprachen, dass man sich häufig die Hände waschen sollte. Es war schwierig für uns, so viel Wasser zu verschwenden, um sicherzustellen, dass unsere Hände sauber sind. Wir hatten Mühe, Wasser für andere wichtige Dinge zu Hause zu sparen.“

Nothilfe des Jemenitischen Roten Halbmonds

Der Jemenitische Rote Halbmond und seine Partner führen im gesamten Jemen Hilfs- und Katastrophenschutzprogramme durch. Dazu gehören die Bereitstellung von sauberem Wasser, die Verteilung von Hygienesets mit Seife, Handtüchern, Eimern und Wasserkanistern sowie die Durchführung von Maßnahmen in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene zur Unterstützung gefährdeter Menschen.

» Erfahren Sie mehr über die Hilfe des Roten Halbmonds und des DRK im Jemen!
» Lesen Sie weitere Blogbeiträge aus dem Jemen.

Text und Fotos: Sadiq Alsari

Geschrieben von:

DRK-Team
Als DRK-Team stellen unter anderem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Online-Redaktion des Deutschen Roten Kreuzes Persönlichkeiten oder Schicksale vor und führen Interviews.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*