Türkei: Kinder hören die Welt mit ihren Augen

Am 03.09.2019 von Ece Ceren Doğar

Foto: Gehörloser Junge und eine türkische Rothalbmondhelferin schauen sich eine Bastelei an

Abdullah aus Syrien hört die Welt nicht mit seinen Ohren, sondern mit seinen Augen. In einem Workshop des Türkischen Roten Halbmonds für hörgeschädigte Kinder kann er neue Fähigkeiten erlernen und neue Freunde finden.

„Die Welt ist schön!“, sagt Muhsine zu Abdullah, ihrem Freund aus Syrien, den sie ihren kleinen Bruder nennt. Die beiden sind tief konzentriert und beklecksen ihr Papier mit grüner und blauer Farbe.

Später haben sie noch mehr Spaß daran, Keramik zu bemalen, ihr Schauspielkönnen unter Beweis zu stellen und an einem Musikunterricht der anderen Art teilzunehmen – dem Rhythmus nicht mit den Ohren, sondern mit den Augen zu lauschen.

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Die persönliche Entwicklung fördern

Das türkische Mädchen Muhsine und der syrische Junge Abdullah sind beide hörgeschädigt. Sie sind zwei von zehn Kindern, welche die Gelegenheit hatten, an dem vierwöchigen Workshop „Wir hören die Welt mit unseren Augen“ teilzunehmen.

Foto: Kinder bei einem Workshop des Türkischen Roten Halbmonds
Ein Workshop für die Sinne: Kinder beim Türkischen Roten Halbmond

Der Workshop, der vom EU-geförderten Şanlıurfa Gemeindezentrum des Türkischen Roten Halbmonds und der Şanlıurfa Gehörlosenschule organisiert wurde, zielt darauf ab, zur persönlichen und sozialen Entwicklung der Kinder beizutragen und den sozialen Zusammenhalt zu fördern, indem ein Umfeld geschaffen wird, das verschiedene Kulturen zusammenbringt.

Ein unschätzbares Ergebnis

Gülşen Gürgerli Şimşek, die Beauftragte für sozialen Zusammenhalt und Aktivitäten des Gemeindezentrums, sagt, die Veränderung bei Abdullah, der vor zwei Jahren aus Syrien kam, sei bemerkenswert.

Foto: Gehörloser Junge und eine türkische Rothalbmondhelferin schauen sich eine Bastelei an
Abdullah ist stolz auf seine handgefertigten Werke.

„Bei einer unserer Exkursionen sind wir auf Abdullah gestoßen, der sowohl Migrant als auch hörgeschädigt ist. Er lebt in einem überfüllten Haus mit 25 Menschen und hatte keine Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. In der ersten Woche war er schüchtern, aber danach rannte er die ganze Zeit hin und her und lachte. Für uns war das ein überwältigendes Ergebnis unserer Förderung“, lächelt Gülşen Gürgerli Şimşek.

Derzeit suchen mehr als 3,6 Millionen Syrer in der Türkei vorübergehend Schutz – 1,7 Millionen davon sind Kinder. Ein unbekannter Prozentsatz dieser Kinder leidet an Hörverlust, der die Anpassung an ihr Gastland erschweren kann.

Gülşen Gürgerli Şimşek betont, dass Aktivitäten wie dieser Workshop und andere Initiativen zum sozialen Zusammenhalt, an denen sowohl Migranten als auch die ansässigen Gemeinden beteiligt sind, viel dazu beitragen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Schwierigkeiten überwunden werden können.

Die Gemeindezentren des Türkischen Roten Halbmonds

Seit 2015 bieten die Gemeindezentren des Türkischen Roten Halbmonds eine weitreichende Unterstützung für Migranten und die Gastgemeinden an, um deren Lebensbedingungen und Zukunftsperspektive zu verbessern.  Bis Anfang Juli 2019 haben fast 800.000 Menschen in den Gemeindezentren Hilfe erhalten. Auf www.kizilaytoplummerkezleri.org/en erhalten Sie weitere Informationen dazu.

Hintergrund: MADAD – ein Bündnis für Flüchtlingshilfe

Fast 6 Millionen Menschen aus Syrien leben in den Nachbarländern.. In einer Partnerschaft mit 13 Nationalen Rotkreuz- und Rotkreuzgesellschaften und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften unterstützt das DRK mehr als eine Million syrische Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Bedürftige in den lokalen Gemeinschaften der Türkei, im Irak, im Libanon, in Jordanien und in Ägypten. Das als MADAD-Programm bezeichnete Vorhaben ist von der EU finanziert und erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren (2016-2020).

» Erhalten Sie hier weitere Informationen zum MADAD-Programm.
» Weitere Informationen über die Hilfe in Syrien und seinen Nachbarländern erhalten Sie hier.

Fotos: IFRC

Geschrieben von:

Foto: Das Logo des IFRC auf einer Weste (Ausschnitt). Ece Ceren Doğar
Ece Ceren Doğar berichtet als Referentin für Kommunikation bei der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften über die humanitäre Hilfe in der Türkei.

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