Collage aus Portraits von Rotkreuz-Freiwilligen

Ukraine-Krieg: Freiwillige helfen in verschiedenen Ländern

Am 13.07.2022

Collage aus Portraits von Rotkreuz-Freiwilligen

Der Krieg in der Ukraine dauert an und zwingt weiterhin viele Menschen, ihre Heimatorte zu verlassen bzw. an ihren Zufluchtsorten auszuharren. Die Freiwilligen des Roten Kreuzes unterstützen die Geflüchteten unermüdlich – ob in Polen, Ungarn, Deutschland oder der Ukraine. Viele von ihnen sind selbst geflohen. Wir stellen Ihnen drei Helfende vor.

Adriana in Polen: „Es hilft auch mir, ihnen zu helfen“

Rotkreuzlerin mit Hilfsgütern in Polen

Adriana kommt selbst aus der Ukraine – bis der Konflikt sie zwang, nach Polen zu gehen, studierte sie Sprachwissenschaft in Kiew. „Meine Mutter weckte mich und sagte, ich solle Geld, Medikamente und Lebensmittel besorgen und gehen“, erinnert sich die Studentin. „Ich ließ meine gesamten Ersparnisse bei meiner Großmutter, die nicht gehen konnte.“

Adriana kam nach Polen, wo sie begann, sich ehrenamtlich für das Rote Kreuz zu engagieren. Sie erhielt schließlich eine bezahlte Arbeit und unterstützt nun ukrainische Flüchtlinge, indem sie Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung und Gutscheine verteilt und Kinder bei außerschulischen Aktivitäten unterstützt.

„Jeden Tag ist viel los. Manchmal stehen 400 Menschen in einer Schlange“, sagt sie. „Meine größte Motivation, hier zu arbeiten, ist es, den Menschen in diesem schrecklichen Konflikt zu helfen. Ich habe das Gefühl, dass es auch mir hilft, ihnen zu helfen. Sonst würde ich beim Lesen der Nachrichten verrückt werden.“

Wenn alles vorbei ist, möchte Adriana als Sprachwissenschaftlerin arbeiten. Sie möchte in Deutschland und Japan studieren. „Das ist mein Traum“ verrät sie. Doch Adriana vermisst ihre Heimat und sagt: „Ich möchte nach Hause.“

Text: Susan Cullinan / IFRC
Foto : Brynja Dögg Friðriksdóttir / IFRC

Éva in Ungarn: „Ich habe Respekt vor den ukrainischen Frauen“

Portrait einer Rotkreuz-Helferin in Ungarn

Als Dolmetscherin spricht Éva Russisch, Ukrainisch, Englisch und Ungarisch. Sie wurde in Berehove, im westlichen Teil der Ukraine, geboren, lebt aber seit mehr als 20 Jahren in Ungarn. Éva arbeitet ehrenamtlich für das Ungarische Rote Kreuz im BOK-Stadion, wo die Menschen aus der Ukraine ankommen.

„In den ersten zwei Wochen des Konflikts konnte ich kaum schlafen, ich habe ständig Nachrichten gelesen“, erzählt sie. „Obwohl ich schon vor langer Zeit aus der Ukraine weggezogen bin, bricht mir das Herz. Deshalb versuche ich, auf jede erdenkliche Weise zu helfen.“

Über ihre ehrenamtliche Arbeit sagt sie: „Ich versuche, die Menschen zum Reden zu bringen – woher sie kommen, wohin sie gehen, wie sie sich fühlen. Keiner von ihnen will darüber sprechen, was zu Hause passiert ist, sie sind sehr diszipliniert. Ich habe Respekt vor den ukrainischen Frauen, die es gewagt haben, sich auf diese lange, beschwerliche Reise mit Kindern zu begeben.“

Nikita in der Ukraine: psychosoziale Unterstützung für Kinder

Portrait eines ukrainischen Rotkreuz-Helfers

„Mit den Kindern sprechen wir über den Krieg, als wäre er ein Witz oder ein Spiel, damit er sie weniger negativ beeinflusst“, erzählt der Ehrenamtliche Nikita. „Für diejenigen, die ein Elternteil oder einen Verwandten verloren haben, ist es natürlich etwas anderes, denn sie brauchen eine angemessene psychologische Unterstützung.“

Nikita lebt in Kiew, ist Lehrer und Psychologe. Für das Ukrainische Rote Kreuz engagiert er sich im Bezirk Podil. Ende Februar ist Nikita aus seiner Heimatstadt Bahmut in Donezk geflohen, unterrichtet dort aber immer noch Schüler der siebten Klasse im Fernunterricht in Geschichte. Einer seiner Schüler hat seinen Vater in dem Konflikt verloren.

Als Freiwilliger des Roten Kreuzes leistet er psychosoziale Unterstützung: Er nimmt Kinder mit in den Zoo, zu einer Feuerwehrstation oder zu Sportveranstaltungen. Nikita sagt, die Arbeit mit Kindern erfordere einige Fähigkeiten, sei aber auch sehr lohnend.

Der Freiwillige möchte in Kiew bleiben, denn er mag das Lebenstempo in der Großstadt. Seine Eltern und viele seiner Freunde aus Bahmut sind jetzt auch hier, so dass er sich nicht allein fühlt. „Die Leute fragen mich oft, ob ich zurückgehen will. Nur eine Handvoll meiner Freunde ist in Bahmut geblieben, alle anderen sind nach Europa oder in die Westukraine gegangen. Für mich ist Bahmut das Symbol für das Leben vor dem Konflikt, für Frieden und Ruhe. Es wird nie wieder so sein wie früher.“

Text: Susan Cullinan/IFRC; Nora Peter/IFRC

Fotos: Susan Cullinan/IFRC; Brynja Dögg Friðriksdóttir/IFRC; Nora Peter/IFRC

Erfahren Sie mehr über die Hilfe für ukrainische Geflüchtete:

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