Foto: Asche auf den Gehwegen Manilas

Vulkanausbruch auf den Philippinen: Ascheregen in Manila

Am 31.01.2020 von Janina Jasper

Foto: Asche auf den Gehwegen Manilas nach einem VulkanausbruchAls auf den Philippinen der Vulkan Taal ausbricht, ist das Philippinische Rote Kreuz im Nothilfe-Einsatz. Auch Janina, EU Freiwillige für das DRK, spürte die Auswirkungen im 70 km entfernten Manila und unterstützte von dort unser Kommunikationsteam.

Am Sonntagnachmittag erreicht mich eine Nachricht von Bianca, einer lokalen Rotkreuz-Freiwilligen, mit der Kurzüberschrift: „TAAL Vulcano“. Darunter ein Bild. Unter dem Bild steht: „Ist heute ausgebrochen“. Ich halte inne. Die Perspektive auf den Vulkan kenne ich – nur ohne diese graue Wolke. Bianca schreibt: „Ich dachte vorher, es würde wegen des dunklen Himmels regnen.“ Ja, denke ich, das liegt hier in Manila nahe. Aber ein Vulkanausbruch? Bianca berichtet mir, sie würde jetzt von Manila aus die Kommunen in Batangas und kommunale Büros des Katastrophenmanagements überwachen; sie habe bereits mit den Kommunen zusammengearbeitet. Es könnte sein, dass über 800 Familien ihre Häuser verlieren. Sie fragt: „Erinnerst du dich an die Gegend, wo wir Boot gefahren sind? Dort auch.“ Aber klar! – ich sehe vor mir eine grasgrüne Landschaft, die wir vor ein paar Monaten während einer Wanderung gemeinsam durchstreift und bewundert haben. Beim scannen meiner Social-Media-Seiten erblicke ich das Bild unserer gemeinsamen Wanderung zum Taal Vulkan im Oktober 2019.

Foto: Erinnerungsfoto von Taalsee auf den Philippinen
Schöne Erinnerungen: Der Vulkan Taal vor dem Ausbruch.

Ich erinnere mich an das Basketballspiel im Zentrum des Orts als wir zurück von unserer Vulkanexploration kamen, an die spielenden Kinder im Taal-See, bevor wir mit dem Boot wieder Richtung Festland aufbrachen, an den Sonnenuntergang über dem See… Wer hätte gedacht, dass diese Erinnerungen und Bilder einmal so wertvoll sind? Bereits zum Zeitpunkt unserer spontanen Reise hatten wir über angekündigte Annahmen bzw. Warnsignale möglicher vulkanischer Aktivität des Taals diskutiert. Uns wurde aufgrund des hohen Schwefelausstoßes in der Region empfohlen, wenn notwendig, die Nase zuzuhalten. Etwas Schwefel konnten wir riechen, aber das störte uns nicht. Es war ein lustiger Tag. Dass sich ein Ausbruch so jäh ereignet – damit hatte keiner von uns gerechnet! Was mache ich jetzt… Wie kann ich helfen… Wo komme ich zum Einsatz?

Ascheregen in Manila

Zu Fuß mache ich mich auf zu meiner Verabredung. Mit dem Bambusboot überquere ich den Fluss zum benachbarten Stadtteil Makati, wo ich mich mit einer Freundin verabredet habe. Auf dem Weg bemerke ich, dass sich die Luft irgendwie komisch anfühlt. Als ob die Asche des Vulkanausbruchs in Manila angekommen ist. Ich schreibe Bianca eine Nachricht: „Wie weit können die Aschepartikel fliegen?

Foto: Mundschutz auf DRK-Mappe

Als ich ihre Antwort erhalte, sitze ich bereits im Restaurant – zum Glück: „Ich empfehle dir eine N95-Maske zu kaufen, da es zu Aschefällen kommt. Es ist hier in Metro Manila angekommen. Die Stadt ist betroffen. Schließe alle Türen und Fenster in deiner Wohnung.“ Auf dem Nachhauseweg nehmen wir den Ascheregen bewusst war. Vor dem Wohnkomplex hat sich bereits eine dünne, graue Asche-Schicht aus dem 70 km entfernten Taal gesammelt. Spät am Abend lese ich, dass der Flughafen Manila gesperrt ist. Zahlreiche Flüge sind ausgefallen.

Erinnerungen an eine grüne Vulkanlandschaft

Erst im Oktober 2019 fand im ‚Taal Vista Hotel‘ in Tagaytay die nationale ‚Dialogue Platform‘ zu ‚Forecast-based-Financing‘, einem innovativen Ansatz zur Katastrophenvorsorge, statt, die vom Auswärtigen Amt finanziert wurde; in Workshops tauschten Mitarbeiter*innen des Deutschen und Philippinischen Roten Kreuzes sowie zahlreicher NGOs, internationaler Organisationen und Regierungsstellen ihre Erfahrungen zur Antizipation von Katastrophen aus und gaben interessante Einblicke in die aktuellen Herausforderungen. Thema waren u. a. präventive Maßnahmen bei Lahar, dem Schlamm- und Schuttstrom von Vulkanen. Mit Blick auf den Vulkan führte eine Gruppe u. a. eine Simulation zur Hausverstärkung (house strengthening toolkit) durch. Auch die deutsche Botschafterin, die seit August 2019 auf den Philippinen ist, nahm teil.

Vulkanausbruch 2020, zurück in das hier und jetzt

In meiner Wohnung finde ich – durch den Türschlitz geschoben – eine Notiz, adressiert an alle Mitbewohner*innen der Wohnresidenz. Der Zettel enthält eine Liste mit Vorsorgemaßnahmen im Falle von Ascheregen: „Bleiben Sie drinnen und ruhig. […]. Wenn Sie draußen sind, suchen Sie sofort Schutz. […]. Bewahren Sie folgende Gegenstände bei Aschefall auf: ausreichend Trinkwasser für mindestens 5 Tage, ausreichend haltbare Lebensmittel für jedes Familienmitglied für mindestens eine Woche, Plastikfolie, batteriebetriebenes Radio und weitere Batterien, Laternen oder Taschenlampen und zusätzliche Batterien, Verbandskasten usw.

Der Erste Tag danach im Rotkreuz-Turm in Mandaluyong

Foto: Blick auf den Rotkreuz-Turm in Manila
Der Rotkreuz-Turm in Manila

Am Montagmorgen erfahre ich, dass unser Fahrer Edwin bei einem Projektbesuch im Feld ist. Um uns auf dem Weg zur Arbeit vor möglichen Restpartikeln des Ascheregens zu schützen, bestellen wir uns ein Taxi. Im Büro angekommen, kommt mir eine warme Luftwolke entgegen. Die Folgen des Vulkanausbruchs sind auch hier spürbar. Aus Sicherheitsgründen wurde zunächst die Klimaanlage nicht eingeschaltet. Ansonsten geht die Arbeit wie gewohnt weiter. Einzelne Mitarbeiter*innen äußern ihre Besorgnis bezüglich eines möglichen Lava-Ausbruchs. Die Personalabteilung des Philippinischen Roten Kreuzes verteilt N95-Masken an Mitarbeiter*innen zum Mund- und Nasenschutz. Das DRK begrüßt seinen neuen Delegierten aus Deutschland. Wir erfahren, dass heute in Metro Manila alle Behörden und Schulen geschlossen sind. Auf meinem Heimweg erblicke ich vor dem Rotkreuz-Turm den Konvoy des Nothilfe-Teams in der Vorbereitung zum Aufbruch nach Taal, um die laufenden Rettungs- und Hilfseinsätze zu unterstützen. Der Autozug besteht aus einem Wassertanker, einem Feuerwehrauto sowie einem Kommandoposten und ‚Humvee‘, das „6×6 High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle“ – ein geländegängiges Mehrzweck-Radfahrzeug.

Was macht das Philippinische Rote Kreuz? Was habe ich für eine Aufgabe?

Die DRK-Zentrale in Berlin schreibt mich an und bittet um einen Lagebericht über die Arbeit des Philippinischen Roten Kreuzes sowie einen Eindruck vom Red Cross Tower in Manila, einschließlich Bilder. Ich überlege, wie und wo komme ich schnell an Informationen? Am nächsten Morgen erhalte ich in aller Frühe eine SMS von der Leiterin des DRK-Büros in Manila. Sie sichert mir zu, später verschiedene E-Mail-Updates an mich weiterzuleiten. Im Büro angekommen, studiere ich die Fact Sheets und E-Mail-Verteiler anderer Organisationen wie z. B. OCHA (Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten). Im Laufe des Tages versuche ich für meinen Bericht im Rotkreuz-Turm noch an weitere Informationen zu kommen.

Foto: Rotkreuzbüro mit Monitoren, Wetterkarten und Mitarbeitern bei der Arbeit
Blick in das Lagezentrum des Philippinischen Roten Kreuzes bei ihrem Einsatz

Während der Mittagspause spreche ich eine Mitarbeiterin des Philippinischen Roten Kreuzes an. Sie stellt mich der Referatsleiterin für Katastrophenhilfe und Unterstützung der Regionalbüros im sechsten Stock vor. Von der Referatsleiterin erfahre ich folgendes:

Das Philippinische Rote Kreuz hat sein Emergency Operation Center (Lagezentrum) aktiviert. Dieses überwacht seit Beginn der Vulkanaktivität die Eruptions- und Alarmstufe, das Wetter, die Situation vor Ort sowie die Bereitstellung einschlägiger Informationen an die Regionalbüros. Im Executive Team sitzen um die 20 Mitarbeiter*innen. Vertreten sind alle Dienste: Wasser- Sanitärversorgung und Hygiene, Gesundheit, Sozialdienst, Freiwilligendienst, Logistik, Finanzen usw. Aufgrund der multiplen Katastrophenlage auf den Philippinen in den letzten Wochen koordiniert und überwacht das Führungsteam vier verschiedene Notfallmaßnahmen gleichzeitig: Die Operationen nach Taifunen Tisoy (Kammuri) und Ursula (Phanfone), das Erdbeben in Mindanao sowie den Vulkanausbruch Taal; der Fokus liegt nun auf dem Vulkanausbruch. Um bereits im Feld eingesetzte Mitarbeiter*innen der Soforthilfe zu ersetzen, unterstützen auch andere Einheiten.

Zusätzlich zum kurzen Gespräch sendet mir die Leiterin der Katastrophennothilfe Informationen zu spezifischen Aktivitäten zu, die das Philippinische Rote Kreuz bereits eingeleitet hat; dies betrifft z. B. die Anzahl evakuierter Personen, die Alarmierung trainierter Nothilfeteams zur Wasserversorgung sowie die Bereitstellung von Ansprechpartnern für die betroffene Bevölkerung sowie N95-Masken, Wasser-Tankern, Krankenwagen und warmen Mahlzeiten. Für die Öffentlichkeit postet das Philippinische Rote Kreuz regelmäßig Updates zur Notfallsituation und empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen auf seiner Facebook-Seite: „Wachsam bleiben! Vorsicht vor Gefahren durch vulkanische Aktivität. Folgen Sie den Social Media-Accounts des Philippinischen Roten Kreuzes, um Updates und Hinweise zu erhalten. #TaalEruption2020 #PHLRedCrossTaalOps“.

Foto: Sortieren von Hilfsgütern beim Philippinischen Roten Kreuz
Hilfsgüter werden für die Verteilung an Betroffenen zusammengestellt.

Die Lage nach dem Vulkanausbruch

Zwei Tage später taucht Peder vom Dänischen Roten Kreuz bei uns im DRK-Büro auf. Er ist Regionaler Katastrophenschutzbeauftragter für Asien. Gestern ist er in die Flieger gestiegen, um die Folgen des Vulkanausbruchs zu dokumentieren bzw. das Ausmaß weiterer Schäden abzuschätzen. Bereits am nächsten Tag reist er weiter Richtung Batangas, um den Vulkan aus nächster Nähe zu beobachten.

Genau eine Woche nach dem Ereignis des Vulkanausbruchs finde ich in meiner Wohnung immer noch Vulkanasche. Trotz Vorsichtsmaßnahmen scheint sich diese irgendwie hereingeschlichen zu haben – ob durchs Fenster, den Türschlitz, meine Schuhsolen. Auch das Philippinische Institut für Vulkanologie und Seismologie berichtet kontinuierlich über die Situation: „Die Aktivität im Hauptkrater in den letzten 24 Stunden war durch eine konstante Dampfemission und seltene schwache Explosionen gekennzeichnet, die weiße bis schmutzige weiße Aschefahnen mit einer Höhe von 500 bis 1000 Metern und zerstreute Asche südwestlich des Hauptkraters erzeugten. […]. Die Alarmstufe 4 bleibt über dem Taal-Vulkan bestehen. Dies bedeutet, dass gefährliche Explosionen innerhalb von Stunden bis Tagen möglich sind.

Risse, die tief in de Erde dringen

Am Montagmorgen kehrt Peder zurück. Er berichtet: Das Regionalbüro in Batangas ist stark im Einsatz. Weit über 80.000 Personen sind evakuiert. Aber sind das alle? Registriert sind wahrscheinlich nur die Personen in den offiziell angemeldeten Evakuierungszentren wie Sportkomplexen oder Schulen, in denen sich je vier Familien in einem Klassenzimmer aufhalten. Weitere Familien sind in Privathäusern untergekommen. Wie können all diese Personen nachverfolgt und versorgt werden? Zurück in ihr Zuhause können sie erstmal nicht. Das Betreten der 14-km evakuierten Fläche war auch für Peder nur unter strenger Kontrolle möglich. Er war vor Ort und zeigt mir die Bilder. Sie zeigen Risse, die tief in die Erde dringen. Wie tief, das ist schwer abzuschätzen. Auch der Wasserstand des Sees ist um 1,5 Meter gesunken. Das lässt vermuten, dass das Wasser in die Tiefe gedrungen ist und auf Dauer wahrscheinlich Druck aufbaut und sich zu einem „Pressure Cooker“ (Dampfkochtopf) entwickelt. Seine Eindruck ist schließlich: Wir müssen nicht auf die Explosion des Vulkans warten, wir haben bereits die Katastrophe vor der Tür. Zehntausende Menschen haben ihre Heimat verloren und müssen sich eine neue Existenz aufbauen.

Auf den Philippinen beobachte ich täglich, dass es für alles eine Lösung gibt. Auch diesmal werden wir es gemeinsam schaffen.

Foto: Blick auf den Taal-Vulkan auf den Philippinen vor dem Vulkanausbruch

Mehr zur Arbeit des DRK auf den Philippinen lesen Sie hier: https://www.drk.de/hilfe-weltweit/wo-wir-helfen/philippinen-engagement-mit-weitsicht/

Mehr zu den EU Aid Volunteers und wie man dort teilnehmen kann, finden Sie auf der DRK-Webseite.

Fotos: Janina Jasper/DRK

Geschrieben von:

Janina Jasper, EU Aid Volunteer für das DRK Janina Jasper
Janina Jasper ist zur Zeit (2019) als EU Aid Volunteer im Freiwilligeneinsatz für das Deutsche Rote Kreuz in Manila auf den Philippinen im Bereich der Katastrophenvorsorge. Sie entwickelt z.B. eine Toolbox für Mitmach-Angebote in Schulen und Gemeinden zur Katastrophenvorsorge, zum Klimawandel und zur Sensibilisierung für drohende Naturgefahren.

2 Kommentare zu “Vulkanausbruch auf den Philippinen: Ascheregen in Manila

    1. Hallo Didi,
      vielen Dank für Deine Nachricht.
      Diese Frage können wir leider nicht beantworten, denn die Philippinen sind auch ein sehr großes Land, und es kommt ganz darauf an. Aktuelle Reisewarnungen gibt es vom Auswärtigen Amt, dort kann man sich vor einer Reise informieren.

      Viele Grüße vom DRK Onlineteam

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